Seit über 50 Jahren produziert die Firma CERTUSS in Krefeld Dampfautomaten. Das inhabergeführte Familienunternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Bis heute lieferte CERTUSS über 15.000 Dampfautomaten an Kunden aus über 90 verschiedenen Branchen weltweit. In der Produktnische „Dampfautomaten“ liegen die Marktanteile in Europa und Russland bei mehr als 70 Prozent. Aktuell ist CERTUSS als Vertriebs- und Servicepartner in 32 Ländern tätig.
Auch ein gesundes mittelständisches Unternehmen mit technologisch anspruchsvollen Produkten steht oft vor großen strukturellen Herausforderungen, z. B. im Zuge eines personellen Generationswechsels auf Schlüsselpositionen im Unternehmen. Wie können die damit einhergehenden Veränderungen bewältigt werden? Können eventuelle organisatorische Neuausrichtungen Betriebsabläufe verbessern und Marktzugänge optimieren?
An dieser Stelle, bei der Analyse von Stärken und Schwächen im Unternehmen und der Umsetzung in betriebsspezifische Lösungen, greift für Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, das in NRW bewährte Förderinstrument der Potenzialberatung. Bei CERTUSS standen dabei Themenfelder wie Sicherung des geistigen Eigentums, Einführung eines ERP-Systems oder die Einführung der 3-D-Konstruktion im Vordergrund. Darüber hinaus sollte die Sicherung der Marktführerschaft in der Nische Dampfautomaten etwa durch die Zulassung auf dem chinesischen Markt ohne Technologietransfer organisiert werden.
Übergeordnete Ziele lagen somit im langfristigen Erhalt der deutschen Fertigungsstätten, der Sicherung der Konstruktions- und Fertigungsarbeitsplätze in Krefeld und im Ausbau der Technologieführerschaft. Nach einem ersten Beratungsgespräch wurde im Mai 2013 über die Wirtschaftsförderung Krefeld der Antrag auf eine Förderung durch die Potenzialberatung gestellt. Nach ersten Analysen der Unternehmensabläufe, stets unter dem Mitwirken der Mitarbeiter, folgte eine detaillierte Beratung im Bereich der Konstruktionsoptimierung und bei der Dokumentation und der Datenablagestruktur. Die Ableitung von verschiedenen Sofortmaßnahmen, Zeit- und Kostenplänen sowie die eindeutige Klärung von Verantwortlichkeiten waren ebenso Bestandteile des Beratungsprozesses. Im Ergebnis stand eine weitreichende Neustrukturierung der bisherigen Arbeitsabläufe an, z. B. im Umgang mit Stücklisten, Entwurfszeichnungen oder in der internen und externen Kommunikation. So bewirkte die Potenzialberatung eine Transformation von der Manufaktur hin zu einer industriellen Fertigung. Im Ergebnis konnten der Aufwand für Konstruktions- und Arbeitsprozesse sowie externe Dienstleisterkosten halbiert werden.
CERTUSS sammelte schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit KMU-Förderungen und ist damit „Wiederholungstäter“. Der technische Leiter Thomas Hamacher ermutigte daher Unternehmer, nicht nur im Rahmen der Infoveranstaltung am 29. Januar 2014 vom vielfältigen Angebot an Fördermöglichkeiten Gebrauch zu machen und vor bürokratischen Hemmnissen im Rahmen der Antragstellung und Abrechnung nicht zurückzuschrecken. Die Zeit, in die Förderwelt abzutauchen, lohnt sich, da ist sich Hamacher sicher. „CERTUSS dampft gerne Kosten ein – unbürokratisch erreichbare Fördermittel geben uns dazu noch den nötigen Schub.“ Aktuell werden bei CERTUSS Weiterbildungsmaßnahmen mehrerer Mitarbeiter über das Förderprogramm Bildungsscheck NRW bezuschusst, in der Vergangenheit konnten Gelder aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gezogen werden.